Das perfekte Reisefoto – und warum wir immer dasselbe fotografieren 

Vielleicht hast du beim Klicken auf diesen Blogbeitrag gehofft eine Anleitung darüber zu finden, wie du das perfekte Reisefoto auf deiner Reise schießen kannst. Leider müssen wir dich enttäuschen – eine Anleitung mit den perfekten Winkeln, dem besten Filter zur Nachbearbeitung oder eine Liste mit geeigneten Spots haben wir nicht für dich parat. Es geht in diesem Beitrag vielmehr darum, wie du ‚bessere‘ Fotos auf deiner Reise machen kannst. Bilder transportieren starke Botschaften und festigen bestehende Gedankenmuster in unseren Köpfen. Als Reisende haben wir daher beim Fotografieren und in der Verwendung dieser Bilder eine besondere Verantwortung. Wir klären dich heute über Verhaltensmuster von Reisenden in puncto Fotografieren auf. Zudem zeigen wir dir, wie es dir gelingt, ein ‚besseres‘ Reisefoto zu schießen und dich dabei angemessen zu verhalten.

Picture by Peggy and Marco Lachmann-Anke on Pixabay

Immer dasselbe Foto

Das, was wir fotografieren hängt maßgeblich davon ab, welches Bild wir von der Destination schon vorab haben. Gerade bei Reisen in Ländern des globalen Südens durch westliche Reisende liegt die Erwartung der Reisenden oft daran, mal etwas ‚ganz Anderes‘ zu sehen. Wie dieses ‚Andere‘ auszusehen hat, wissen wir dabei aber meistens schon ziemlich genau. Viele Reisende fotografieren fast ausschließlich das, was sie schon aus Reiseführern, Medien oder Werbung kennen oder wovon Freund*innen und Verwandte bereits Urlaubsfotos geschossen haben.

Solche Motive kennen wir alle: freilaufende Kühe, das Taj Mahal, das klassische Pärchenfoto vor dem Eiffelturm, Marktstände, Yogis oder Frauen in Saris in Indien; Berge und Menschen mit Mützen, Decken oder Lamas in Bolivien; ein Baum vor einer Sanddüne in Namibia. Die Liste ist endlos lang.  

Hast du so ein Motiv auch schonmal gemacht? Oder dich dabei erwischt, wie du einen Bildausschnitt so wählst, dass das Motiv möglichst ‚ursprünglich‘ und ‚unberührt‘ aussieht? Vielleicht beim Fotografieren eines Marktstands oder Autos. Hast du schonmal die Wolkenkratzer im Hintergrund versteckt, um das Ganze möglichst ‚unberührt‘ aussehen zu lassen? 

Deutlich wird diese Reproduktion von immer denselben Motiven vor allem bei einer Google-Suche. Mach doch mal den Test: Gib in die Bildsuche Uganda ein und im Anschluss Frankreich. Während zu Uganda Bilder von unberührter Natur, Märkten oder Dörfern vorherrschen, findet man bei Frankreich vor allem Bilder aus der Metropolregion Paris. Das bestimmt maßgeblich, bevor wir jemals vor Ort waren, was von dem, das wir dort vorfinden, für uns ‚typisch‘ für die Region ist. 

Picture by meineresterampe on Pixabay

Change your mind! 

Reiseunternehmen bewegen sich dabei im Spannungsfeld zwischen dem, was Reisende erwarten und wie sich eine Region am besten verkauft und dem realistischen Bild der Lage vor Ort, was aber nicht unbedingt den Erwartungen entspricht. Geschichten oder Bilder aus dem globalen Süden, die Wissenschaft, Management, Innovation oder Urbanität widerspiegeln, werden daher viel weniger verbreitet, weil sie fälschlicherweise eher mit dem Westen assoziiert werden. Als Reisende können wir mit den Geschichten, die wir erzählen und den Bildern, die wir machen diese Gedankenmuster ein Stück weit versuchen aufzubrechen. Dafür ist es wichtig erstmal die vorherrschenden Muster zu erkennen.   

Stell dir doch mal diese Fragen

Abschließend möchten wir dir ein paar Tipps geben, wie du zum Aufbrechen von Klischees sowie Gedankenmustern beitragen kannst und was du beim Fotografieren dafür beachten solltest. Sicherlich ist unsere Liste nicht vollständig und auch nicht als Checkliste zu verstehen; sie dient vielmehr zur Anregung und der Beschäftigung mit dem Thema.  

  1. Was erzählst du von deiner Reise? Wie stellst du das Land und das Erlebte dar? Überrascht es dein Gegenüber? Wir können von Themen erzählen, die vielleicht niemand von den Daheimgebliebenen in Berichten erwartet, weil sie dem in Europa in Schulen und Medien vermittelten Bild von Ländern des globalen Südens nicht entsprechen. 
  1. Handeln deine Geschichten immer nur davon, wie ‚anders‘ es im Vergleich zu deiner Heimat ist? 
  1. Fokussiere dich auf den Facettenreichtum! Wie vielfältig waren die Begegnungen und Dinge, die du gesehen hast auch untereinander? 
  1. Wie wäre es von einer Kunstaustellung, einem Konzert, einem Museum für moderne Kunst oder innovativen Methoden und Technologien zu erzählen?  
  1. Können die Menschen vor Ort zu Wort kommen und ihre Geschichten selbst erzählen? Die eigenen Worte von Menschen, ihre Texte und Bilder (natürlich mit ihrer Erlaubnis) direkt zu verwenden anstatt über sie zu reden, kann eine Möglichkeit sein, Verallgemeinerungen zu umgehen. 

Tipps für dein ‚besseres‘ Urlaubsfoto

  1. Frage immer nach dem Einverständnis der fotografierten Person.
  1. Kenne den Namen und Hintergrund der Person, die du porträtierst. Nutze Menschen nicht lediglich als Symbole.
  1. Frage dich immer, ob du selbst auf diese Art und Weise in einem Foto abgelichtet sein möchtest.
  1. Mache keine Fotos von sensiblen Stätten oder Gegenden, wie zum Beispiel Krankenhäusern. 
Picture by socialbnb

Der Social Media Guide von Radi-Aid hat noch weitere Tipps für das Fotografieren und Teilen auf Social Media auf Urlaubsreisen zusammengestellt. Informiere dich gerne hier. Wenn du dich für diese Thematik interessierst, dann empfehlen wir dir folgende Quellen: Mit kolonialen Grüßen und die Social Media Falle.

Wenn du mehr über soziales Reisen erfahren möchtest, dann schau am besten mal bei diesem Blogbeitrag vorbei. In unserem Newsletter warten hilfreiche Tipps zum nachhaltig bzw. sozial reisen auf dich – hol dir unsere kostenlose Checkliste.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.